Faszinierende Marionetten sind im Café Hench zu sehen. Foto: Rogowsky LinoImportASCHAFFENBURG. Das Marionettentheater Puppenschiff bereitet sich mit großem Elan auf ein neues Bühnenstück vor: »Macbeth«, die erste Neuinszenierung seit dem Tod des Gründers und Leiters der Bühne, Bernd Weber.
Die dem Theater gewidmete Ausstellung im Aschaffenburger Café Hench soll Ansporn für das verwaiste Team des Puppenschiffs sein und gleichzeitig an die Jahre mit Bernd Weber erinnern. Das charismatische Universalgenie hat seinen Nachwuchs zur rechten Zeit in alle Geheimnisse des Puppenspiels eingeweiht und doch bis zuletzt die Fäden in der Hand gehalten.
Bernhard Hench, Juniorchef des Cafés und der gleichnamigen Bäckerei, ist zudem Hausherr des Puppenschiff-Theaters in der über 200 Jahre alten Gaststätte Zur Krone in Mainaschaff. Gleich nach dem Erwerb des Anwesens im Jahre 1988 bot er den dazugehörigen Dorfsaal dem Puppenschiff als Theater an. Bernd Weber war glücklich.
Seit den 70er Jahren hatte er für seine Reisebühne im VW-Bus vergeblich nach einem festen Haus gesucht. Nun konnte er seinen Traum verwirklichen. Es kostete eineinhalb Jahre Arbeit, den Krone-Saal zu renovieren. Am 15. September 1990 war es soweit: Das Puppenschiff eröffnete im Theater in der Krone mit dem »Zauberer Bebrakadebra« seine Pforten.
Exklusives Plakat
Das zu diesem Anlass von Bernd Weber entworfene Plakat »Der Vorhang geht auf« hat in der aktuellen Ausstellung im Café einen Ehrenplatz neben der Puppenschiff-Fahne, die zu den Aufführungen einladend vor dem Eingang flattern sollte.
Es gibt Originalpuppen zu sehen wie die bezaubernde Königin der Nacht, umrahmt vom Silberschein eines vollen Mondes, der sich in ganzer Pracht vor einem schwarzen Samtvorhang entfaltet. Ihr zu Füßen die dienstbaren Geister Bachinger und Chopinski, die als Bühnenarbeiter regelmäßig mitspielen dürfen, während die anderen Puppen nur in ihrem eigenen Stück auftreten.
Die zauberhaft zarte Schneekönigin mit ihrem Gefolge ist im Original und solo auf einem großformatigen Foto zu bewundern. Charaktere aus allen drei Kategorien der Puppenschiff-Produktionen, wie dem Puppenkabarett für Erwachsene oder den Literaturproduktionen und nicht zuletzt den Märchen für Kinder geben sich ein Stelldichein ? darunter der böse Zauberer aus »Der gestiefelte Kater« oder Poseidon aus »Die Odyssee nach Homer« und Mephisto aus »Das alte Puppenspiel von Dr. Faust«.
Spezielles Geschick
Fotocollagen erklären, wie eine Puppe entsteht. Die Abbildungen können kaum vermitteln, wie viel Mühe es macht, auch nur einen Kopf herzustellen. Für eine Aufführung können bis zu 80 Puppen benötigt werden und die Herstellung eines Kopfes kostet mindestens 50 Stunden. Diese Arbeit ist nicht nur besonders zeitaufwendig, sie erfordert zudem spezielles Geschick, denn die Mimik einer Puppe liegt ein für allemal fest und muss glaubhaft und erkennbar sein, während die Gestik, daher die übergroßen Hände, den ausdrucksvollen Part beim Spielen übernehmen. Die Puppe braucht noch Vieles mehr: ein Skelett mit Gelenken aus Leder und Ringschrauben, Kleider und eine Perücke, ein Spielkreuz und Fäden. Alles wird in sorgfältiger Handarbeit hergestellt.
Vor Beginn einer Produktion wird das Konzept für ein neues Stück erarbeitet. Der Text entsteht, während die Arbeit an den Puppen beginnt. Sobald man damit fertig ist, sind die Sprecher an der Reihe, die den Puppen ihre Stimmen leihen. Aus Dialogen und Musik wird anschließend computergestützt eine CD erstellt, die das Spiel begleitet.
Als nächstes gilt es, das Bühnenbild zu entwerfen und eine 40 Meter lange Stoffbahn damit zu bemalen. Und dann heißt es proben bis zur Spielreife. Die Aufführungen finden meist an Wochenenden statt. Es sind Stunden um Stunden, die das Puppenschiff-Team mit Hingabe, aber ohne Honorar in jede Inszenierung steckt.
INFO: Ausstellung bis Ende März im Café Hench, Sandgasse 15. Montags bis freitags von 7.30 bis 18.30, samstags von 7.30 bis 17 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr.
Gisela van Driesum
Aus dem Main-Echo vom 18. Februar 2009